Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,
darin die Augenäpfel reiften. Aber
sein Torso glüht wie ein Kandelaber,
in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,
sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen
zu jener Mitte, die die Zeugung trug.
Sonst stünde dieser Stein enstellt und kurz
unter der Schultern durchsichtigem Sturz
und flimmerte nicht wie Raubtierfelle;
und bräche nicht aus allen seinen Rändern
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,
die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.
We never knew his lost unheard-of head,
in which the eyes grew ripe like apples. But
his torso glimmers like a chandelier,
in which his gazing, only slightly dimmed,
abides and gleams; or else his breast's proud jut
could not so blind you; in the light-turned lines
of loins there could not be a smile that ran
down to the point where procreation dwelt.
Instead this stone would stand defaced, cut off
beneath the sheer bright crossbeam of the shoulders,
and would not glisten like a tiger's skin,
and would not thus break forth from all its edges,
burst like a star: for there is no place here
that does not see you. You must change your life.
Showing posts with label German. Show all posts
Showing posts with label German. Show all posts
Sunday, May 12, 2013
Sonnets to Orpheus I.21 (Rainer Maria Rilke)
Frühling ist wiedergekommen. Die Erde
ist wie ein Kind, das Gedichte weiß;
viele, o viele ... Für die Beschwerde
langen Lernens bekommt sie den Preis.
Streng war ihr Lehrer. Wir mochten das Weiße
an dem Barte des alten Manns.
Nun, wie das Grüne, das Blaue heiße,
dürfen wir fragen: sie kanns, sie kanns!
Erde, die frei hat, du glückliche, spiele n
un mit den Kindern. Wir wollen dich fangen,
fröhliche Erde. Dem Frohsten gelingts.
O, was der Lehrer sie lehrte, das Viele,
und was gedruckt steht in Wurzeln und langen
schwierigen Stämmen: sie singts, sie singts!
Spring has returned, and the earth restored
is just like a child who has memorized songs,
many and many, and earns her reward
for the labor of learning so long.
Her teacher was stern. We liked the white sheen
on the beard of the elderly man.
Now we may ask her the word for green
and the word for blue: she can say, she can!
Earth, rejoicing in freedom, come play
now with the children. We want to hold on
to you, glad earth. The gladdest are kings.
O, those many things that the teacher would say,
and what stands printed in roots and in long
and knotty stems: she sings it, she sings!
ist wie ein Kind, das Gedichte weiß;
viele, o viele ... Für die Beschwerde
langen Lernens bekommt sie den Preis.
Streng war ihr Lehrer. Wir mochten das Weiße
an dem Barte des alten Manns.
Nun, wie das Grüne, das Blaue heiße,
dürfen wir fragen: sie kanns, sie kanns!
Erde, die frei hat, du glückliche, spiele n
un mit den Kindern. Wir wollen dich fangen,
fröhliche Erde. Dem Frohsten gelingts.
O, was der Lehrer sie lehrte, das Viele,
und was gedruckt steht in Wurzeln und langen
schwierigen Stämmen: sie singts, sie singts!
Spring has returned, and the earth restored
is just like a child who has memorized songs,
many and many, and earns her reward
for the labor of learning so long.
Her teacher was stern. We liked the white sheen
on the beard of the elderly man.
Now we may ask her the word for green
and the word for blue: she can say, she can!
Earth, rejoicing in freedom, come play
now with the children. We want to hold on
to you, glad earth. The gladdest are kings.
O, those many things that the teacher would say,
and what stands printed in roots and in long
and knotty stems: she sings it, she sings!
Friday, May 10, 2013
Abend / Evening (Rainer Maria Rilke)
Der Abend wechselt langsam die Gewänder,
die ihm ein Rand von alten Bäumen hält;
du schaust: und von dir scheiden sich die Länder,
ein himmelfahrendes und eins, das fällt;
und lassen dich, zu keinem ganz gehörend,
nicht ganz so dunkel wie das Haus, das schweigt,
nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend
wie das, was Stern wird jede Nacht und steigt—
und lassen dir (unsäglich zu entwirrn)
dein Leben bang und riesenhaft und reifend,
so dass es, bald begrenzt und bald begreifend,
abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn.
The evening slowly dresses, as a verge
of ancient trees holds up its dusky gown;
you look on: and from you two lands diverge,
one that goes heavenward, one that falls down;
and leave you not belonging quite to either,
not quite as dark as houses in still times,
not quite as surely conjuring Forever
as that which turns to star each night and climbs—
and leave to you (unutterable to undo)
your life, uneasy, huge and ripening, blending
so that it, now confined, now comprehending,
becomes by turns a stone and star in you.
die ihm ein Rand von alten Bäumen hält;
du schaust: und von dir scheiden sich die Länder,
ein himmelfahrendes und eins, das fällt;
und lassen dich, zu keinem ganz gehörend,
nicht ganz so dunkel wie das Haus, das schweigt,
nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend
wie das, was Stern wird jede Nacht und steigt—
und lassen dir (unsäglich zu entwirrn)
dein Leben bang und riesenhaft und reifend,
so dass es, bald begrenzt und bald begreifend,
abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn.
The evening slowly dresses, as a verge
of ancient trees holds up its dusky gown;
you look on: and from you two lands diverge,
one that goes heavenward, one that falls down;
and leave you not belonging quite to either,
not quite as dark as houses in still times,
not quite as surely conjuring Forever
as that which turns to star each night and climbs—
and leave to you (unutterable to undo)
your life, uneasy, huge and ripening, blending
so that it, now confined, now comprehending,
becomes by turns a stone and star in you.
Einsamkeit / Solitude (Wilhelm Müller)
Musical setting by Franz Schubert
Wie eine trübe Wolke
Durch heit’re Lüfte geht,
Wenn in der Tanne Wipfel
Ein mattes Lüftchen weht:
So zieh ich meine Straße
Dahin mit trägem Fuß,
Durch helles, frohes Leben
Einsam und ohne Gruß.
Ach, daß die Luft so ruhig!
Ach, daß die Welt so licht!
Als noch die Stürme tobten,
War ich so elend nicht.
Just as a murky vapor
Drifts through the air serene,
When in the fir tree’s branches
The languid breezes keen,
So do I in my passage
Go forth with listless feet,
Through life that’s fair and joyous,
Alone with none to greet.
Alas for the air so peaceful,
The world’s bright loveliness!
When still the storms were raging,
My misery was less.
Wie eine trübe Wolke
Durch heit’re Lüfte geht,
Wenn in der Tanne Wipfel
Ein mattes Lüftchen weht:
So zieh ich meine Straße
Dahin mit trägem Fuß,
Durch helles, frohes Leben
Einsam und ohne Gruß.
Ach, daß die Luft so ruhig!
Ach, daß die Welt so licht!
Als noch die Stürme tobten,
War ich so elend nicht.
Just as a murky vapor
Drifts through the air serene,
When in the fir tree’s branches
The languid breezes keen,
So do I in my passage
Go forth with listless feet,
Through life that’s fair and joyous,
Alone with none to greet.
Alas for the air so peaceful,
The world’s bright loveliness!
When still the storms were raging,
My misery was less.
Saturday, February 16, 2013
Fortschritt / Progress (Rainer Maria Rilke)
Und wieder rauscht mein tiefes Leben lauter,
als ob es jetzt in breitern Ufern ginge.
Immer verwandter werden mir die Dinge
und alle Bilder immer angeschauter.
Dem Namenlosen fühl ich mich vertrauter:
Mit meinen Sinnen, wie mit Vögeln, reiche
ich in die windigen Himmel aus der Eiche,
und in den abgebrochnen Tag der Teiche
sinkt, wie auf Fischen stehend, mein Gefühl.
Once more my deep life surges onward, louder,
as if its stream now ran through broader banks.
And things grow ever more akin to me,
and ever better seen all images.
I feel more intimate with what is nameless:
and with my senses, as with birds, I reach
into the windy heavens from the oak,
and in the splintered daylight of the pools
my feeling sinks, as if it stood on fishes.
als ob es jetzt in breitern Ufern ginge.
Immer verwandter werden mir die Dinge
und alle Bilder immer angeschauter.
Dem Namenlosen fühl ich mich vertrauter:
Mit meinen Sinnen, wie mit Vögeln, reiche
ich in die windigen Himmel aus der Eiche,
und in den abgebrochnen Tag der Teiche
sinkt, wie auf Fischen stehend, mein Gefühl.
Once more my deep life surges onward, louder,
as if its stream now ran through broader banks.
And things grow ever more akin to me,
and ever better seen all images.
I feel more intimate with what is nameless:
and with my senses, as with birds, I reach
into the windy heavens from the oak,
and in the splintered daylight of the pools
my feeling sinks, as if it stood on fishes.
Wednesday, January 9, 2013
Der Panther / The Panther (Rainer Maria Rilke)
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf — dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille —
und hört im Herzen auf zu sein.
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf — dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille —
und hört im Herzen auf zu sein.
His gaze is so exhausted with traversing
the bars that it retains no more. To him
it is as if there were a thousand bars,
a thousand bars without a world beyond.
The gentle tread, the sleekly powerful steps
revolving in the tiniest of circles,
are like a dance of strength around a center
in which a mighty will stands stupefied.
Once in a while the curtain of the pupil
lifts noiselessly — and then an image enters,
moves in through the taut stillness of the limbs —
and flickers out inside the heart.
the bars that it retains no more. To him
it is as if there were a thousand bars,
a thousand bars without a world beyond.
The gentle tread, the sleekly powerful steps
revolving in the tiniest of circles,
are like a dance of strength around a center
in which a mighty will stands stupefied.
Once in a while the curtain of the pupil
lifts noiselessly — and then an image enters,
moves in through the taut stillness of the limbs —
and flickers out inside the heart.
Wednesday, October 10, 2012
Frühling / Spring (Heinrich Heine)
Die Wellen blinken und fließen dahin—
Es liebt sich so lieblich im Lenze!
Am Flusse sitzet die Schäferin
Und windet die zärtlichsten Kränze.
Das knospet und quillt, mit duftender Lust—
Es liebt sich so lieblich im Lenze!
Die Schäferin seufzt aus tiefer Brust:
Wem geb' ich meine Kränze?
Ein Reiter reitet den Fluß entlang,
Er grüßet so blühenden Muthes!
Die Schäferin schaut ihm nach so bang,
Fern flattert die Feder des Huthes.
Sie weint und wirft in den gleitenden Fluß
Die schönen Blumenkränze.
Die Nachtigall singt von Lieb' und Kuß—
Es liebt sich so lieblich im Lenze!
The ripples flow glancing and glittering by—
In springtime how lovely is love!
The shepherdess sits on the riverbank
With the delicate garlands she wove.
The budding, the streaming, the fragrant joy—
In springtime how lovely is love!
The shepherdess sighs from deep in her breast:
To whom shall I give what I wove?
A horseman rides by the river's edge
And greets her, so blooming and brave;
She gazes after him longingly,
And far off sees his cap's feather wave.
She weeps and throws in the smooth-flowing stream
The beautiful garlands she wove.
The nightingale sings of desire and a kiss—
In springtime how lovely is love!
Es liebt sich so lieblich im Lenze!
Am Flusse sitzet die Schäferin
Und windet die zärtlichsten Kränze.
Das knospet und quillt, mit duftender Lust—
Es liebt sich so lieblich im Lenze!
Die Schäferin seufzt aus tiefer Brust:
Wem geb' ich meine Kränze?
Ein Reiter reitet den Fluß entlang,
Er grüßet so blühenden Muthes!
Die Schäferin schaut ihm nach so bang,
Fern flattert die Feder des Huthes.
Sie weint und wirft in den gleitenden Fluß
Die schönen Blumenkränze.
Die Nachtigall singt von Lieb' und Kuß—
Es liebt sich so lieblich im Lenze!
The ripples flow glancing and glittering by—
In springtime how lovely is love!
The shepherdess sits on the riverbank
With the delicate garlands she wove.
The budding, the streaming, the fragrant joy—
In springtime how lovely is love!
The shepherdess sighs from deep in her breast:
To whom shall I give what I wove?
A horseman rides by the river's edge
And greets her, so blooming and brave;
She gazes after him longingly,
And far off sees his cap's feather wave.
She weeps and throws in the smooth-flowing stream
The beautiful garlands she wove.
The nightingale sings of desire and a kiss—
In springtime how lovely is love!
Saturday, September 29, 2012
Sonnets to Orpheus I.7 (Rainer Maria Rilke)
Rühmen, das ists! Ein zum Rühmen Bestellter,
ging er hervor wie das Erz aus des Steins
Schweigen. Sein Herz, o vergängliche Kelter
eines den Menschen unendlichen Weins.
Nie versagt ihm die Stimme am Staube,
wenn ihn das göttliche Beispiel ergreift.
Alles wird Weinberg, alles wird Traube,
In seinem fühlenden Süden gereift.
Nicht in den Grüften der Könige Moder
straft ihm die Rühmung Lügen, oder
daß von den Göttern ein Schatten fällt.
Er ist einer der bleibenden Boten,
der noch weit in die Türen der Toten
Schalen mit rühmlichen Früchten hält.
Praise, that is it! One appointed to praising,
he has sprung forth like the ore out of stone’s
silence. His heart—O ephemeral wine-press
of one of mankind’s inexhaustible wines.
His voice never fails him, to ash and dust crumbling,
when he is seized by example divine.
All things are vineyard, all things are grapes then,
ripe in the warmth of his passionate South.
Not in the tombs does the kings’ putrefaction
give his praises the lie, nor the fact that
there falls a shadow cast by the gods.
He is one of the heralds eternal,
who far within the dead’s silent doorways
still holds out vessels of praiseworthy fruits.
ging er hervor wie das Erz aus des Steins
Schweigen. Sein Herz, o vergängliche Kelter
eines den Menschen unendlichen Weins.
Nie versagt ihm die Stimme am Staube,
wenn ihn das göttliche Beispiel ergreift.
Alles wird Weinberg, alles wird Traube,
In seinem fühlenden Süden gereift.
Nicht in den Grüften der Könige Moder
straft ihm die Rühmung Lügen, oder
daß von den Göttern ein Schatten fällt.
Er ist einer der bleibenden Boten,
der noch weit in die Türen der Toten
Schalen mit rühmlichen Früchten hält.
Praise, that is it! One appointed to praising,
he has sprung forth like the ore out of stone’s
silence. His heart—O ephemeral wine-press
of one of mankind’s inexhaustible wines.
His voice never fails him, to ash and dust crumbling,
when he is seized by example divine.
All things are vineyard, all things are grapes then,
ripe in the warmth of his passionate South.
Not in the tombs does the kings’ putrefaction
give his praises the lie, nor the fact that
there falls a shadow cast by the gods.
He is one of the heralds eternal,
who far within the dead’s silent doorways
still holds out vessels of praiseworthy fruits.
Saturday, September 8, 2012
Du bist die Ruh' / Thou art repose (Friedrich Rückert)
Du bist die Ruh,
Der Friede mild,
Die Sehnsucht du
Und was sie stillt.
Ich weihe dir
Voll Lust und Schmerz
Zur Wohnung hier
Mein Aug und Herz.
Kehr ein bei mir,
Und schließe du
Still hinter dir
Die Pforten zu.
Treib andern Schmerz
Aus dieser Brust!
Voll sei dies Herz
Von deiner Lust.
Dies Augenzelt
Von deinem Glanz
Allein erhellt,
O füll es ganz!
Thou art repose,
Mild peace's balm;
Thou art desire
And what brings calm.
To thee I vow,
Full of sweet pain,
My eyes and heart,
Therein to reign.
Enter thou in,
And silently
Fasten the gates
Shut after thee.
Drive other griefs
From this my breast!
Fill thou my heart
With pleasure blest.
My eyes' pavilion
Takes its light
From thee alone;
O, fill it quite!
Schubert's musical setting
Der Friede mild,
Die Sehnsucht du
Und was sie stillt.
Ich weihe dir
Voll Lust und Schmerz
Zur Wohnung hier
Mein Aug und Herz.
Kehr ein bei mir,
Und schließe du
Still hinter dir
Die Pforten zu.
Treib andern Schmerz
Aus dieser Brust!
Voll sei dies Herz
Von deiner Lust.
Dies Augenzelt
Von deinem Glanz
Allein erhellt,
O füll es ganz!
Thou art repose,
Mild peace's balm;
Thou art desire
And what brings calm.
To thee I vow,
Full of sweet pain,
My eyes and heart,
Therein to reign.
Enter thou in,
And silently
Fasten the gates
Shut after thee.
Drive other griefs
From this my breast!
Fill thou my heart
With pleasure blest.
My eyes' pavilion
Takes its light
From thee alone;
O, fill it quite!
Schubert's musical setting
Friday, August 24, 2012
Schlaflied / Lullaby (Rainer Maria Rilke)
Einmal wenn ich dich verlier,
wirst du schlafen können, ohne
dass ich wie eine Lindenkrone
mich verflüstre über dir?
Ohne dass ich hier wache und
Worte, beinah wie Augenlider,
auf deine Brüste, auf deine Glieder
niederlege, auf deinen Mund.
Ohne dass ich dich verschließ
und dich allein mit Deinem lasse
wie einen Garten mit einer Masse
von Melissen und Stern-Anis.
If ever I should someday lose you,
will sleep still come to you without
me whispering above you, soft
as linden branches in the wind?
Without me lying here awake
and laying down, almost like eyelids,
tender words upon your breasts,
upon your limbs, upon your mouth?
Without me locking you up tight
and leaving you with what is yours,
a garden overflowing with
star anise and with lemon balm?
Wednesday, August 22, 2012
Die Gazelle (Rainer Maria Rilke)
Gazella dorcas
Verzauberte: wie kann der Einklang zweier
erwählter Worte je den Reim erreichen,
der in dir kommt und geht, wie auf ein Zeichen.
Aus deiner Stirne steigen Laub und Leier,
und alles Deine geht schon im Vergleich
durch Liebeslieder, deren Worte, weich
wie Rosenblätter, dem, der nicht mehr liest,
sich auf die Augen legen, die er schließt:
um dich zu sehen: hingetragen, als
wäre mit Sprüngen jeder Lauf geladen
und schösse nur nicht ab, solang der Hals
das Haupt im Horchen hält: wie wenn beim Baden
im Wald die Badende sich unterbricht:
den Waldsee im gewendeten Gesicht.
Enchanted one! How can the chord of two
well-chosen words attain the perfect rhyme
that comes and goes, as at a sign, in you?
Up from your brow the leaves and lyre climb,
and all that's yours yet moves in simile
through love-words tender as the leaves of roses
that, as one tires of reading poetry,
are laid upon the eyelids that he closes
so as to see you: borne as though a spring
at every step were loaded with a leap,
held back while the slim neck in listening
uplifts the head, as when in forest deep
a bather rises startled from her place,
the forest pool within her turning face.
Verzauberte: wie kann der Einklang zweier
erwählter Worte je den Reim erreichen,
der in dir kommt und geht, wie auf ein Zeichen.
Aus deiner Stirne steigen Laub und Leier,
und alles Deine geht schon im Vergleich
durch Liebeslieder, deren Worte, weich
wie Rosenblätter, dem, der nicht mehr liest,
sich auf die Augen legen, die er schließt:
um dich zu sehen: hingetragen, als
wäre mit Sprüngen jeder Lauf geladen
und schösse nur nicht ab, solang der Hals
das Haupt im Horchen hält: wie wenn beim Baden
im Wald die Badende sich unterbricht:
den Waldsee im gewendeten Gesicht.
Enchanted one! How can the chord of two
well-chosen words attain the perfect rhyme
that comes and goes, as at a sign, in you?
Up from your brow the leaves and lyre climb,
and all that's yours yet moves in simile
through love-words tender as the leaves of roses
that, as one tires of reading poetry,
are laid upon the eyelids that he closes
so as to see you: borne as though a spring
at every step were loaded with a leap,
held back while the slim neck in listening
uplifts the head, as when in forest deep
a bather rises startled from her place,
the forest pool within her turning face.
Tuesday, August 7, 2012
Das Stunden-Buch / The Book of Hours, 6 (Rainer Maria Rilke)
Ich bin auf der Welt zu allein und doch nicht allein genug,
um jede Stunde zu weihn.
Ich bin auf der Welt zu gering und doch nicht klein genug,
um vor dir zu sein wie ein Ding,
dunkel und klug.
Ich will meinen Willen und will meinen Willen begleiten
die Wege zur Tat;
und will in stillen, irgendwie zögernden Zeiten,
wenn etwas naht,
unter den Wissenden sein
oder allein.
Ich will dich immer spiegeln in ganzer Gestalt,
und will niemals blind sein oder zu alt,
um dein schweres schwankendes Bild zu halten.
Ich will mich entfalten.
Nirgends will ich gebogen bleiben,
denn dort bin ich gelogen, wo ich gebogen bin.
Und ich will meinen Sinn
wahr vor dir. Ich will mich beschreiben
wie ein Bild, das ich sah,
lange und nah,
wie ein Wort, das ich begriff,
wie meinen täglichen Krug,
wie meiner Mutter Gesicht,
wie ein Schiff,
das mich trug
durch den tödlichsten Sturm.
I am too alone in the world, and yet not alone enough
to consecrate every hour.
I am too small in the world, and yet not little enough
to be in your eyes like a thing,
dusky and shrewd.
I want my will and I want to go with my will
on the way to the act;
and want in the silent, somehow hesitant times
when something draws near
to be among those who perceive it
or be alone.
I want to reflect you always in your full likeness,
and want never to be blind or too old
to hold your heavy, wavering image.
I want to unfold.
I want nowhere to remain folded,
since where I am folded, there I am false.
And I want my meaning
true before you. I want to describe myself
like a painting that I looked on
long and closely,
like a word I comprehended,
like my daily jug of water,
like the face of my mother,
like a ship
that bore me
through the most deadly of storms.
Thursday, July 26, 2012
Nähe des Geliebten / Nearness of the Beloved (Johann Wolfgang von Goethe)
Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh' ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.
Ich bin bei dir; du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O, wärst du da!
Schubert's musical setting
vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh' ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.
Ich bin bei dir; du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O, wärst du da!
I think of you when sunlight's radiance shimmers
Upon the sea;
I think of you when moonlight's image glimmers
On brook and tree.
I see you yet, when on the distant ridges
A dust cloud trails;
Night shrouds the path, and on the narrow bridges
The traveler quails.
I hear you yet, when with a hollow moaning
Waves crest and spill.
In quiet groves I listen in the gloaming,
When all is still.
I am with you; though far, because you love me,
To me you're near!
The sun has set; soon stars will shine above me.
Would you were here!
Schubert's musical setting
Friday, July 13, 2012
Ständchen / Serenade (Ludwig Rellstab)
Leise flehen meine Lieder
Durch die Nacht zu dir;
In den stillen Hain hernieder,
Liebchen, komm zu mir!
Flüsternd schlanke Wipfel rauschen
In des Mondes Licht;
Des Verräters feindlich Lauschen
Fürchte, Holde, nicht.
Hörst die Nachtigallen schlagen?
Ach! sie flehen dich,
Mit der Töne süßen Klagen
Flehen sie für mich.
Sie verstehn des Busens Sehnen,
Kennen Liebesschmerz,
Rühren mit den Silbertönen
Jedes weiche Herz.
Laß auch dir die Brust bewegen,
Liebchen, höre mich!
Bebend harr’ ich dir entgegen!
Komm, beglücke mich!
Durch die Nacht zu dir;
In den stillen Hain hernieder,
Liebchen, komm zu mir!
Flüsternd schlanke Wipfel rauschen
In des Mondes Licht;
Des Verräters feindlich Lauschen
Fürchte, Holde, nicht.
Hörst die Nachtigallen schlagen?
Ach! sie flehen dich,
Mit der Töne süßen Klagen
Flehen sie für mich.
Sie verstehn des Busens Sehnen,
Kennen Liebesschmerz,
Rühren mit den Silbertönen
Jedes weiche Herz.
Laß auch dir die Brust bewegen,
Liebchen, höre mich!
Bebend harr’ ich dir entgegen!
Komm, beglücke mich!
Softly now my songs are calling
Through the night to thee:
Here within this quiet forest,
Darling, come to me!
Slender treetops rush and whisper
In the moonlight clear;
The betrayer's hateful spying,
Sweetheart, do not fear!
Hark, the nightingales are singing—
Ah, they plead for me!
The sweet sorrow of their voices
Pleads my cause to thee.
They can feel the bosom's longing,
Know the pangs of love;
Every tender heart their silver
Songs have power to move.
Darling, hear me—let their music
Stir within thy breast!
Trembling I await thine answer;
Come and make me blest!
Tuesday, November 29, 2011
Sonnets to Orpheus I.3 (Rainer Maria Rilke)
Ein Gott vermag's. Wie aber, sag mir, soll
ein Mann ihm folgen durch die schmale Leier?
Sein Sinn ist Zweispalt. An der Kreuzung zweier
Herzwege steht kein Tempel für Apoll.
Gesang, wie du ihn lehrst, ist nicht Begehr,
nicht Werbung um ein endlich noch erreichtes;
Gesang ist Dasein. Für den Gott ein Leichtes.
Wann aber sind wir? Und wann wendet er
an unser Sein die Erde und die Sterne?
Dies ists nicht, Jüngling, daß du liebst, wenn auch
die Stimme dann den Mund dir aufstößt,—lerne
vergessen, daß du aufsangst. Das verrinnt.
In Wahrheit singen, ist ein andrer Hauch.
Ein Hauch um nichts. Ein Wehn im Gott. Ein Wind.
A god can do it. But, tell me, how is
a man to follow him through the narrow lyre?
His mind is split in two. Where two heart-paths
are crossed, there stands no temple to Apollo.
Song, as you teach it, is not mere desire,
not wooing something finally attained;
song is existence. For the god, a trifle.
But when do we exist? And when does he
direct the earth and stars upon our being?
It is not that you love, boy, even if
your voice forces your mouth wide open—learn
to unlearn what you sang. That slips away.
True singing is another kind of breath.
A nothing-breath. A gust in God. A wind.
ein Mann ihm folgen durch die schmale Leier?
Sein Sinn ist Zweispalt. An der Kreuzung zweier
Herzwege steht kein Tempel für Apoll.
Gesang, wie du ihn lehrst, ist nicht Begehr,
nicht Werbung um ein endlich noch erreichtes;
Gesang ist Dasein. Für den Gott ein Leichtes.
Wann aber sind wir? Und wann wendet er
an unser Sein die Erde und die Sterne?
Dies ists nicht, Jüngling, daß du liebst, wenn auch
die Stimme dann den Mund dir aufstößt,—lerne
vergessen, daß du aufsangst. Das verrinnt.
In Wahrheit singen, ist ein andrer Hauch.
Ein Hauch um nichts. Ein Wehn im Gott. Ein Wind.
A god can do it. But, tell me, how is
a man to follow him through the narrow lyre?
His mind is split in two. Where two heart-paths
are crossed, there stands no temple to Apollo.
Song, as you teach it, is not mere desire,
not wooing something finally attained;
song is existence. For the god, a trifle.
But when do we exist? And when does he
direct the earth and stars upon our being?
It is not that you love, boy, even if
your voice forces your mouth wide open—learn
to unlearn what you sang. That slips away.
True singing is another kind of breath.
A nothing-breath. A gust in God. A wind.
Monday, December 28, 2009
Abschied von einem Freunde / Parting from a Friend (Franz Schubert)
Lebe wohl, du lieber Freund!
Ziehe hin in fernes Land,
Nimm der Freundschaft trautes Band,
Und bewahr's in treuer Hand!
Lebe wohl, du lieber Freund!
Lebe wohl, du lieber Freund!
Hör in diesem Trauersang
Meines Herzens innere Drang,
Tönt er doch so dumpf und bang.
Lebe wohl, du lieber Freund!
Lebe wohl, du lieber Freund!
Scheiden heisst das bitt're Wort,
Weh, es ruft Dich von uns fort
Hin an den Bestimmungsort.
Lebe wohl, du lieber Freund!
Lebe wohl, du lieber Freund!
Wenn dies Lied dein Herz ergreift,
Freundes Schatten näher schweift,
Meiner Seele Saiten streift.
Lebe wohl, du lieber Freund!
Fare thee well, O dearest friend!
Hence unto a distant land
Take my friendship's close-knit band,
Cherish it with loyal hand.
Fare thee well, O dearest friend!
Fare thee well, O dearest friend!
Hear how in sad melodies
My heart's pain revealéd is;
Yet they sound so sore amiss.
Fare thee well, O dearest friend!
Fare thee well, O dearest friend!
Parting--of all words bitterest--
Calls thee forth, belovéd best,
From us to a place of rest.
Fare thee well, O dearest friend!
Fare thee well, O dearest friend!
When this song comes to thine ear,
Thy friend's shadow lingers near;
My soul's strings are sounded clear.
Fare thee well, O dearest friend!
*Note: This is the only one of Schubert's many lieder whose text was apparently written by the composer himself, a melancholy farewell song for his friend Franz von Schober.
Ziehe hin in fernes Land,
Nimm der Freundschaft trautes Band,
Und bewahr's in treuer Hand!
Lebe wohl, du lieber Freund!
Lebe wohl, du lieber Freund!
Hör in diesem Trauersang
Meines Herzens innere Drang,
Tönt er doch so dumpf und bang.
Lebe wohl, du lieber Freund!
Lebe wohl, du lieber Freund!
Scheiden heisst das bitt're Wort,
Weh, es ruft Dich von uns fort
Hin an den Bestimmungsort.
Lebe wohl, du lieber Freund!
Lebe wohl, du lieber Freund!
Wenn dies Lied dein Herz ergreift,
Freundes Schatten näher schweift,
Meiner Seele Saiten streift.
Lebe wohl, du lieber Freund!
Fare thee well, O dearest friend!
Hence unto a distant land
Take my friendship's close-knit band,
Cherish it with loyal hand.
Fare thee well, O dearest friend!
Fare thee well, O dearest friend!
Hear how in sad melodies
My heart's pain revealéd is;
Yet they sound so sore amiss.
Fare thee well, O dearest friend!
Fare thee well, O dearest friend!
Parting--of all words bitterest--
Calls thee forth, belovéd best,
From us to a place of rest.
Fare thee well, O dearest friend!
Fare thee well, O dearest friend!
When this song comes to thine ear,
Thy friend's shadow lingers near;
My soul's strings are sounded clear.
Fare thee well, O dearest friend!
*Note: This is the only one of Schubert's many lieder whose text was apparently written by the composer himself, a melancholy farewell song for his friend Franz von Schober.
Wednesday, December 23, 2009
Mut / Courage (Wilhelm Müller)
Fliegt der Schnee mir ins Gesicht,
Schüttl' ich ihn herunter.
Wenn mein Herz im Busen spricht,
Sing' ich hell und munter.
Höre nicht, was es mir sagt,
Habe keine Ohren;
Fühle nicht, was es mir klagt,
Klagen ist für Toren.
Lustig in die Welt hinein
Gegen Wind und Wetter!
Will kein Gott auf Erden sein,
Sind wir selber Götter!
When snow flies against my cheek,
Off I brush it lightly.
When in my breast my heart would speak,
Blithe I sing and brightly.
I hear not what it sighs to me;
For that I have no ears.
I feel not what it cries to me;
Foolish are all tears.
Out into the world in mirth,
With wind and storm at odds!
If there's no God upon the earth,
Then we ourselves are gods!
Hear the musical setting from Franz Schubert's Winterreise
Schüttl' ich ihn herunter.
Wenn mein Herz im Busen spricht,
Sing' ich hell und munter.
Höre nicht, was es mir sagt,
Habe keine Ohren;
Fühle nicht, was es mir klagt,
Klagen ist für Toren.
Lustig in die Welt hinein
Gegen Wind und Wetter!
Will kein Gott auf Erden sein,
Sind wir selber Götter!
When snow flies against my cheek,
Off I brush it lightly.
When in my breast my heart would speak,
Blithe I sing and brightly.
I hear not what it sighs to me;
For that I have no ears.
I feel not what it cries to me;
Foolish are all tears.
Out into the world in mirth,
With wind and storm at odds!
If there's no God upon the earth,
Then we ourselves are gods!
Hear the musical setting from Franz Schubert's Winterreise
Wednesday, December 16, 2009
Liebes-Lied / Love-Song (Rainer Maria Rilke)
Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möchte ich sie bei irgendetwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
die aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.
How should I keep my soul in check, so that
it does not touch your soul? How should I lift it
up over you and on to other things?
Ah, gladly would I shelter it away
with anything that has been lost in darkness,
in some place strange and silent, that does not
tremble in answer when your depths resound.
Yet everything that stirs us, you and me,
takes us together like a single bow
that with a stroke draws from two strings one voice.
Upon what instrument have we been strung?
What violinist holds us in his hand?
O sweet the song.
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möchte ich sie bei irgendetwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
die aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.
How should I keep my soul in check, so that
it does not touch your soul? How should I lift it
up over you and on to other things?
Ah, gladly would I shelter it away
with anything that has been lost in darkness,
in some place strange and silent, that does not
tremble in answer when your depths resound.
Yet everything that stirs us, you and me,
takes us together like a single bow
that with a stroke draws from two strings one voice.
Upon what instrument have we been strung?
What violinist holds us in his hand?
O sweet the song.
Einsamkeit / Loneliness (Rainer Maria Rilke)
Die Einsamkeit ist wie ein Regen.
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen;
von Ebenen, die fern sind und entlegen,
geht sie zum Himmel, der sie immer hat.
Und erst vom Himmel fällt sie auf die Stadt.
Regnet hernieder in den Zwitterstunden,
wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen
und wenn die Leiber, welche nichts gefunden,
enttäuscht und traurig von einander lassen;
und wenn die Menschen, die einander hassen,
in einem Bett zusammen schlafen müssen:
dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen...
Loneliness is like the rain.
It climbs toward the evening from the sea;
and from the far-removed and distant plains,
it goes to heaven, which forever holds it.
And from the sky it falls onto the city.
It rains down in those in-between-time hours
when all the streets are turning to the dawn,
and when, with nothing found or gained, two bodies
downcast and saddened part from one another;
and when two people who despise each other
are forced to sleep together in one bed:
then loneliness flows with the rivers...
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen;
von Ebenen, die fern sind und entlegen,
geht sie zum Himmel, der sie immer hat.
Und erst vom Himmel fällt sie auf die Stadt.
Regnet hernieder in den Zwitterstunden,
wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen
und wenn die Leiber, welche nichts gefunden,
enttäuscht und traurig von einander lassen;
und wenn die Menschen, die einander hassen,
in einem Bett zusammen schlafen müssen:
dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen...
Loneliness is like the rain.
It climbs toward the evening from the sea;
and from the far-removed and distant plains,
it goes to heaven, which forever holds it.
And from the sky it falls onto the city.
It rains down in those in-between-time hours
when all the streets are turning to the dawn,
and when, with nothing found or gained, two bodies
downcast and saddened part from one another;
and when two people who despise each other
are forced to sleep together in one bed:
then loneliness flows with the rivers...
Tuesday, December 1, 2009
Poesie / Poetry (Justinus Kerner)
Poesie ist tiefes Schmerzen,
Und es kommt das echte Lied
Einzig aus dem Menschenherzen,
Das ein tiefes Leid durchglüht.
Doch die höchsten Poesien
Schweigen wie der höchste Schmerz,
Nur wie Geisterschatten ziehen
Stumm sie durchs gebrochne Herz.
Poetry is deepest rue,
And true music only came
From the heart of mortal who
With deep sorrow was aflame.
Yet the greatest poems are
Silent as the greatest pain;
Speechless, phantomlike they fare
Through a bosom cleft in twain.
Und es kommt das echte Lied
Einzig aus dem Menschenherzen,
Das ein tiefes Leid durchglüht.
Doch die höchsten Poesien
Schweigen wie der höchste Schmerz,
Nur wie Geisterschatten ziehen
Stumm sie durchs gebrochne Herz.
Poetry is deepest rue,
And true music only came
From the heart of mortal who
With deep sorrow was aflame.
Yet the greatest poems are
Silent as the greatest pain;
Speechless, phantomlike they fare
Through a bosom cleft in twain.
Subscribe to:
Posts (Atom)