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Thursday, September 10, 2009

An die jungen Dichter / To the Young Poets (Friedrich Hölderlin)

Lieben Brüder! es reift unsere Kunst vielleicht,
Da, dem Jünglinge gleich, lange sie schon gegährt,
Bald zur Stille der Schönheit;
Seyd nur fromm, wie der Grieche war.

Liebt die Götter und denkt freundlich der Sterblichen!
Haßt den Rausch wie den Frost! Lehrt und beschreibet nicht!
Wenn der Meister euch ängstigt,
Fragt die grosse Natur um Rath.


Dear brothers! our art will ripen, it may be—
Already, like a youth, long in fermenting—
Soon to stillness of beauty;
Be but devout, as the Greeks were.

Love the gods, and think kindly of mortal men!
Scorn both frenzy and frost; teach not, nor describe!
If your master affrights you,
Call on great Nature for counsel.

Monday, April 13, 2009

Sokrates und Alcibiades / Socrates and Alcibiades (Friedrich Hölderlin)

»Warum huldigest du, heiliger Sokrates,
Diesem Jünglinge stets? kennest du Größers nicht?
Warum siehet mit Liebe,
Wie auf Götter, dein Aug' auf ihn?«

Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste,
Hohe Jugend versteht, wer in die Welt geblickt,
Und es neigen die Weisen
Oft am Ende zu Schönem sich.


"Why, holy Socrates, do you evermore pay homage
To this young man? Do you know nothing that is greater?
Why fix your eyes with love
On him, as on the gods?”

He who has thought most deeply loves what is most alive;
He understands high youth, who has looked into the world;
And wise men, in the end,
Often to beauty bow.

Saturday, April 11, 2009

An die Parzen / To the Fates (Friedrich Hölderlin)

Nur einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen!
Und einen Herbst zu reifem Gesange mir,
Daß williger mein Herz, vom süßen
Spiele gesättiget, dann mir sterbe.

Die Seele, der im Leben ihr göttlich Recht
Nicht ward, sie ruht auch drunten im Orkus nicht;
Doch ist mir einst das Heil'ge, das am
Herzen mir liegt, das Gedicht, gelungen,

Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt!
Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel
Mich nicht hinab geleitet; Einmal
Lebt ich, wie Götter, und mehr bedarf's nicht.



Ah, grant me but one summer, ye mighty ones!
And but one autumn for my song's ripening,
So that my heart more willingly, by
Sweet singing satisfied, then may perish.

The soul that, when 'twas living, its right divine
Received not, finds not rest in the realms below;
But if I once achieve the sacred
Object that lies at my heart, the poem,

Welcome be thou then, O shadow-world's silence!
I am content, although my lyre's music may
Conduct me not below; for once I
Lived as the gods, and no more is needed.

Da ich ein Knabe war / When I Was a Boy (Friedrich Hölderlin)

Da ich ein Knabe war,
Rettet’ ein Gott mich oft
Vom Geschrei und der Rute der Menschen,
Da spielt ich sicher und gut
Mit den Blumen des Hains,
Und die Lüftchen des Himmels
Spielten mit mir.

Und wie du das Herz
Der Pflanzen erfreust,
Wenn sie entgegen dir
Die zarten Arme strecken,

So hast du mein Herz erfreut,
Vater Helios! und, wie Endymion,
War ich dein Liebling,
Heilige Luna!

O all ihr treuen
Freundlichen Götter!
Daß ihr wüßtet,
Wie euch meine Seele geliebt!

Zwar damals rief ich noch nicht
Euch mit Namen, auch ihr
Nanntet mich nie, wie die Menschen sich nennen,
Als kennten sie sich.

Doch kannt ich euch besser,
Als ich je die Menschen gekannt,
Ich verstand die Stille des Aethers,
Der Menschen Worte verstand ich nie.

Mich erzog der Wohllaut
Des säuselnden Hains
Und lieben lernt ich
Unter den Blumen.

Im Arme der Götter wuchs ich groß.



When I was a boy,
A god often saved me
From the shouts and the beatings of men;
Then I played, safe and well,
With the flowers of the grove,
And the breezes of heaven
Played with me.

And as you gladden
The hearts of the plants,
When they stretch out to you
Their delicate arms,

So did you gladden my heart,
Father Helios! And, like Endymion,
I was your darling,
Holy Luna!

O all you faithful,
Friendly gods!
Would that you knew
How my soul loved you!

True, back then I did not yet call
You by your names, and you
Never named me as men name each other,
As if they knew one another.

Yet I knew you better
Than I ever knew men;
I understood the silence of Aether,
The words of men I never understood.

I was nurtured by the sweet sound
Of the whispering grove,
And I learned to love
Among flowers.

I grew tall in the arms of the gods.

Friday, April 10, 2009

Die Heimath / Homeland (Friedrich Hölderlin)

Froh kehrt der Schiffer heim an den stillen Strom
Von fernen Inseln, wo er geerndtet hat;
Wohl möcht' auch ich zur Heimath wieder;
Aber was hab' ich, wie Laid, geerndtet? —

Ihr holden Ufer, die ihr mich auferzogt,
Stillt ihr der Liebe Laiden? ach! gebt ihr mir,
Ihr Wälder meiner Kindheit, wann ich
Komme, die Ruhe noch Einmal wieder?


Gaily the boatman turns home on the quiet stream
From distant isles, his harvest all gathered in;
Gladly would I too turn back homeward;
But what have I reaped, except for sorrow?

You gentle riverbanks, you that once nurtured me,
Will you assuage love's griefs? Ah, will you give me,
You forests of my childhood, when I
Come, my tranquility back once more?

Hälfte des Lebens / Half of Life (Friedrich Hölderlin)

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm' ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.


Filled with golden pears,
And with wild roses, hangs
The land in the lake,
You lovely swans,
And drunken with kisses
Dip ye your heads
In the holy, sobering water.

Ah me, where will I find, when
It is winter, the flowers, and where
The sunshine
And shadow of earth?
The walls stand
Speechless and cold, the wind
Rattles the vanes.